bannerfries

Energetische Nachweise für Baustoffe, Bauteile und Anlagen

Inhalt der Seite: Zugelassene Baustoffe und Dämmstoffe | WDVS | VHF | Fenster + Dachflächenfenster | VorhangfassadenLichtkuppeln + Lichtbänder | Türen | Heizung | KWL | Luftdurchlässigkeit | Wesentliche Merkmale | Weblinks

Nach der neuen Verordnung (EU) Nr. 305/2011 vom 9.3.2011 zur Festlegung harmonisierter Bedingungen für die Vermarktung von Bauprodukten (EU-Bauproduktenverordnung - EU-BauPVO) müssen Hersteller von Bauprodukten, die einer harmonisierten technischen Spezifikation entsprechen, seit dem 1.7.2013 eine Leistungserklärung für jedes Bauprodukt vorlegen. Diese Leistungserklärung ist auch Basis für die CE-Kennzeichnung (Art. 8 EU-BauPVO). Die Ausführung in Deutschland regelt das Bauproduktengesetz (BauPG) vom 05.12.2012.

Übergangsweise können auch Übereinstimmungsnachweise (z.B. Übereinstimmungszertifikate oder Übereinstimmungserklärungen) oder CE-Kennzeichnungen als Leistungserklärung benutzt werden.

Harmonisierte technische Spezifikationen sind harmonisierte Normen und Europäische Bewertungsdokumente (European Assessment Document – EAD). Merkmale von Bauprodukten werden auf der Grundlage Europäischer Bewertungsdokumente in einer Europäischen Technischen Bewertung (European Technical Assessment - ETA) angegeben.

In einem Übergangszeitraum gelten weiterhin die Europäischen Technischen Zulassungen als Euroäische Technische Bewertung.

Darüber hinaus gelten allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen (abZ) als zuverlässige Verwendbarkeitsnachweise von Bauprodukten bzw. Anwendbarkeitsnachweise von Bauarten im Hinblick auf bautechnische Anforderungen an Bauwerke. In diesem Fall sind Übereinstimmungsnachweise (Übereinstimmungserklärung oder -zertifikat) vorzulegen.

Zugelassene Baustoffe und Dämmstoffe

Für Wärmedämmstoffe wird vom Hersteller für die Wärmeleitfähigkeit / den Wärmedurchlasswiderstand entweder der Nennwert nach einer harmonisierten Europäischen Norm (λD oder RD) oder der Bemessungswert nach DIN 4108-4 angegeben.

Bei Dämmstoffen müssen für die Berechnung die  Nennwerte der Wärmeleitfähigkeit mit einem Faktor von 1,2 zu multipliziert werden, weshalb die Anwendung von Bemessungswerten von zugelassenen Dämmstoffen (λgrenz * 1,05) meist günstiger ist. Für den Einsatz von Dämmstoffen als Perimeterdämmstoff gelten abweichende Wärmeleitfähigkeiten, da diese Verwendung in der Regel nicht genormt ist.

Der Nachweis der Wärmeleitfähigkeit eines Dämmstoffs erfolgt über die Leistungserklärung (Nennwert) oder über eine Zulassung + Übereinstimmungsnachweis (Bemessungswert) des Herstellers. Einige Hersteller geben den Bemessungswert auch in der Leistungserklärung an. In diesen Fällen kann auf die Zulassung und den Übereinstimmungsnachweis verzichtet werden.

»Beispiel für eine Leistungserklärung (Dämmstoff)

»Beispiel für eine Zulassung (Dämmstoff)

»Beispiel für einen Übereinstimmungsnachweis (Dämmstoff)

Wärmedämmverbundsysteme (WDVS)

Wärmedämmverbundsysteme unterliegen keiner harmonisierten Norm. Für diese Systeme gelten deshalb in der Regel einer Europäischen Technischen Bewertung. Für ein Wärmedämmverbundsystem sind von der ausführenden Firma folgende Unterlagen vorzulegen:

  • Europäische Technische Bewertung für das verwendete Wärmedämmverbundsystem (WDVS). Das ist in der Regel die Zulassung.
  • Leistungserklärung bzw. Zulassung+Übereinstimmungsnachweis für den eingesetzten Dämmstoff
  • Anzahl der verwendeten Dübel pro m² und Leistungserklärung (bzw. Zulassung+Übereinstimmungsnachweis) für den eingesetzten Dübel (mit Angabe des Χ-Wertes)

Vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF)

Eine vorgehängte hinterlüftete Fassade ist eine opake Fassadenbekleidung (keine »Vorhangfassade!). Derartige Außenwandbekleidungen sind in DIN 18516-1 genormt. Für den energetischen Nachweis sind folgende Unterlagen vorzulegen:

  • Leistungserklärung bzw. Zulassung+Übereinstimmungsnachweis für den eingesetzten Dämmstoff
  • Anzahl der verwendeten Dübel pro m² und Leistungserklärung (bzw. Zulassung+Übereinstimmungsnachweis) für den eingesetzten Dübel (mit Angabe des Χ-Wertes) zur Befestigung der Dämmung
  • Typ des verwendeten Verankerungssystems für die Bekleidung. Anzahl der jeweiligen Verankerung und Leistungserklärung (bzw. Zulassung+Übereinstimmungsnachweis) für das verwendete System mit Angabe des für den konkreten Anwendungsfall berechneten Χ-Wertes

Fenster und Dachflächenfenster

Fenster und Dachflächenfenster unterliegen der harmonisierten Norm DIN EN 14351-1, für die der Hersteller eine Leistungserklärung vorzulegen hat. Für den Nachweis des in er Leistungserklärung angegebenen U-Wertes ist in der Regel die Vorlage der Berechnung des UW-Wertes nach DIN EN ISO 10077-1 hilfreich.

»Beispiel für eine CE-Kennzeichnung

»Beispiel für eine U-Wert-Berechnung

»Beispiel für eine Leistungserklärung (Fenster)

»FAQ zu den Leistungserklärungen

Weitere Informationen und Hilfe bei der Kennzeichnung von Fenstern sind zu finden beim »ift Rosenheim, bei »ce-fix.de oder auf der Internetseite der Fensterverbände Frankfurt (»window.de). Der UW-Wert von Fenstern kann alternativ auch über das Heizkastenverfahren (DIN EN 12567-1 für Fenster / Fenstertüren und DIN EN 12567-2 für Dachflächenfenster) bestimmt werden.

Für die Bilanzierung nach EnEV und bei Effizienzhäusern ist in der Leistungserklärung immer auch der g-Wert der Verglasung anzugeben. Bei Nichtwohngebäuden ist außerdem der Lichttransmissionsgrad τD65 erforderlich.

Hinweise zur Ausschreibung und zu Leistungsanforderungen finden Sie auch im Leitfaden des PfB: »Leitfaden für den Einsatz sowie die Ausschreibung von Fenstern und Außentüren.

Lichtkuppeln + Lichtbänder

Der Nennwert des Wärmedurchgangskoeffizienten U für Lichtkuppeln oder Dachlichtbänder ist der vom Hersteller deklarierte Wärmedurchgangskoeffizient nach DIN EN 1873 für Lichtkuppeln oder nach DIN EN 14963 für Dachlichtbänder. In diesem Wert müssen die Verglasung, der Rahmen, Aufsätzkränze und der Wärmebrückeneinfluss im eingebauten Zustand. Das Bezugsmaß ist das Rohbaumaß der Dachöffnung. Der U-Wert kann nach den o.g. Normen entweder berechnet oder nach DIN EN ISO 12567-2 gemessen werden. Als Nachweis ist eine Leistungserklärung vorzulegen. In dieser muss der deklarierte U-Wert für die Gesamtkonstruktion, der g-Wert und der Lichttransmissionsgrad τD65 angegeben werden.

Vorhangfassaden

U-Werte für Vorhangfassaden (auch oft als Pfosten-Riegel-Konstruktionen bezeichnet, nicht zu verwechseln mit »vorgehängten hinterlüfteten Fassaden (VHF)) nach DIN EN 13830 sind nicht wie Fenster, sondern nach der Norm DIN EN 13947 zu berechnen. Für die energetische Bewertung ist der Ucw-Wert der Vorhangfassade entscheidend. Als Nachweis ist auch hier eine Leistungserklärung vorzulegen. In dieser muss der Ucw-Wert der Vorhangfassade und der g-Wert der Verglasung ausgewiesen sein. Bei Nichtwohngebäuden ist außerdem der Lichttransmissionsgrad τD65 erforderlich.

Türen

Für Türen gilt sinngemäß, was im vorherigen Abschnitt zu Fenstern beschrieben wurde. Auch für Türen gilt die harmonisierte Norm DIN EN 14351-1. Der U-Wert für Türen wird mit UD bezeichnet.

Hinweise zur Ausschreibung und zu Leistungsanforderungen finden Sie auch im Leitfaden des PfB: »Leitfaden für den Einsatz sowie die Ausschreibung von Fenstern und Außentüren.

Heizung

Grundsätzlich dürfen nur Wärmeerzeuger mit einer CE-Kennzeichnung eingebaut werden. Vom Hersteller ist eine Leistungserklärung mit den technischen Daten des Wärmeerzeugers vorzulegen. Ist der hydraulische Abgleich einer Heizungsanlage vorgesehen oder erforderlich (Bei KfW geförderten Anlagen ist der hydraulische Abgleich immer notwendig), ist die Berechnung des hydraulischen Abgleichs und eine Bestätigung des ausführenden Unternehmens vorzulegen.

Für Bescheinigungen im Rahmen der EnEV ist eine Unternehmererklärung des jeweiligen Bundeslandes zu verwenden. Bei von der KfW geförderten Maßnahmen ist zusätzlich das von der KfW geforderte Formular auszufüllen.

»Formular für die Bestätigung des hydraulischen Abgleichs (KfW)

»Unternehmererklärung nach § 26 EnEV (Land Berlin)

Kontrollierte Wohnungslüftung (KWL)

Bei einer kontrollierten Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung ist eine luftdichte Gebäudehülle Voraussetzung für Anrechnung der Wärmerückgewinnung beim Nachweis (siehe Abschnitt "Luftdurchlässigkeit der Gebäudehülle").

Die technischen Daten des eingebauten Lüftungsgerätes sind in einer Leistungserklärung anzugeben. Die Wärmerückgewinnung ist nach den Vorschriften der EnEV (bzw. DIN V 4701-10 oder DIN V 18599) zu berechnen und nachzuweisen (z.B. durch Zulassung / Übereinstimmungsnachweis).

Luftdurchlässigkeit der Gebäudehülle

Wird im Nachweis mit einer bestanden Luftdurchlässigkeitsmessung gerechnet oder eine kontrollierte Wohnungslüftung eingesetzt, muss eine Luftdurchlässigkeitsmessung nach DIN EN 13829 durchgeführt werden. Die Bescheinigung über die Messung und das Messergebnis ist vorzulegen (siehe auch: »Luftdichtheit von Gebäuden). Die Messung ist entsprechend den Vorschriften der EnEV (Verfahren B) durchzuführen.

Wesentliche Merkmale

Solange weder durch einen delegierten Akt der EU-Kommission noch durch eine Europäisch Technische Bewertung vorgegeben ist, für welche Wesentlichen Merkmale eines Bauprodukts Leistungen anzugeben sind, kann der Hersteller frei wählen, zu welchen Merkmalen er Leistungsangaben (Wert oder Klasse) macht oder keine Leistung erklärt (NPD – No Performance Determined).

Allerdings ist eine Leistungserklärung als Nachweis der energetischen Eigenschaften wertlos, wenn diese nicht oder unvollständig in den Leistungserklärungen angegeben werden.